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Meine Position zum Thema Nachhaltigkeit

Meine Position zum Thema Nachhaltigkeit

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Warum ich eine gewisse Demut für angebracht halte und mir Kooperation und ein „Miteinander“ besser gefallen als harte Konfrontation

Menschen zu respektieren, die eine aus meiner Sicht altmodische Einstellung zur Würde des Tieres haben, klingt für mich als passionierte Tierschützerin zunächst wie eine große Herausforderung. Allerdings bin ich zum Glück in großem Maß fähig zur Selbstkritik und mir selber sehr ehrlich gegenüber. Daher bin ich mir bewusst, dass ich hier eine gewisse Entwicklung durchlaufen habe. Als junger Mensch habe ich mich in Orientierung an traditionellen Sichtweisen auch an eher altmodischen Ansichten zur Würde des Tieres orientiert. Selbst heute noch handele ich nach kritischen Maßstäben nicht immer optimal.

Zum Beispiel möchte ich fast ausschließlich ökologisch unbedenkliche Produkte kaufen. In unserer modernen Welt sind die Produktionsketten aber teilweise sehr undurchsichtig. Es ist mir kaum möglich, alle Herstellungsprozesse zu durchblicken und beim Kauf eines Artikels 100% sicher zu sein, dass der Herstellungsprozess den eigenen ethischen Prinzipien entspricht. Sogar bei Bio-zertifizierten Lebensmitteln gibt es manchmal Betrügereien. Mein Ideal ist es, volkommen ökologisch unbedenklich zu konsumieren, ich achte daher beim Einkaufen auf entsprechende Öko-Siegel und entsprechende Auszeichnungen. Trotzdem bleibt mir nichts anderes übrig, als teilweise Produkte zu kaufen, bei denen ich nicht sicher bin, ob sie meinen Prinzipien entsprechen. Manche Menschen nehmen die eben beschriebene Unsicherheit bezüglich eines "Etikettenschwindels" bei ökolgisch unbedenklichen Produkten als Argument, gar nicht erst mit einem ökologischen Bewusstsein einzukaufen. Aber für mich ist diese Unsicherheit kein Grund, meine Ideale aufzugeben. Hier kann ich mich in der täglichen Praxis meinem Ideal nur annähern, aber damit trage ich "im ganz Kleinen" dazu bei, dass sich die Gesellschaft in diese Richtung bewegt. Übrigens: Dieser Weg, mich für Nachhaltigkeit einzusetzen, gefällt mir besser, als die Aktionen, die militante Tier- oder Umweltschüter unternehmen.

Ich selbst bin zum Glück so geprägt, dass ich von klein auf unterschiedliche Sichtweisen und Einstellungen gelten lasse, auch wenn sie von mir als absolut falsch angesehen werden. Geholfen hat mir dabei, dass mein Vater in der Entwicklungshilfe (bzw. heute sagen wir korrekter: Entwicklungszusammenarbeit) tätig war. Ich habe ihn während meiner Kindheit und Jugend mehrfach in den Regionen besucht, in denen er gearbeitet hat und auch als junger Mensch ein Jahr lang mit der Familie in Indonesien gelebt. Das hat mir einen wertvollen „Blick über den Tellerrand“ ermöglicht.

Solche Erfahrungen helfen zu begreifen, dass die Regeln und Traditionen, die wir als „gottgegeben“ ansehen, gar nicht so allgemeingültig sind und es macht in gewisser Weise bescheiden und demütig.

Auch in schwierigen Situationen echte Toleranz an den Tag zu legen, erfordert meiner Meinung nach sehr viel Selbstkontrolle und Geduld und auch ein ziemliches Maß an Demut. Ich habe viele Jahre in Köln gelebt und das sogenannte „Kölsche Grundgesetz“ gefällt mir sehr, insbesondere eine der Ergänzungen zu den gängigen 11 Artikeln: „Jede Jeck es anders.“ ...

Eine mangelnde Toleranz lässt sich übrigens auch bei den "verhärteten Fronten" unter Hunde-Trainern bezüglich der Auseinandersetzung mit den modernen positiven Trainingsmethoden beobachten. Diese Diskussion erhielt nämlich in den vergangenen Jahrzehnten einen zunehmend verbissenen und aggressiven Charakter, was ich für sehr bedauerlich halte. Unter dem Punkt "Trainingsmethoden" (siehe hier) erläutere ich diese Diskussion und versuche eine Erklärung dafür zu finden, warum sie mit einer so großen Härte geführt wird.

 

Der Lichtblick

Die Auseinandersetzung bezüglich der verschiedenen Hunde-Trainings-Methoden entspricht in ihren Grundzügen den generellen Differenzen zwischen einerseits den Tier- und Umweltschützern, die etwas verändern wollen und andererseits den eher "konservativ" eingestellten Menschen, die für herkömmliche Methoden sind. Erfreulich ist jedoch, dass trotz der auch hier eher verhärteten Fronten eine stetige gesamtgesellschaftliche Bewusstseinsänderung zu beobachten ist. Hier wirken bestimmt viele Faktoren mit, neben der Entdeckung moderner Trainingsmethoden ist hier in besonderem Maß vermutlich die zunehmende Einsicht beteiligt, dass der industrielle Raubbau an unserer Umwelt und die Versachlichung der Tiere im Rahmen der Massentierhaltung uns in eine schlimme Sackgasse geführt haben. Zusätzlich belegen Erkenntnisse aus der biologischen Forschung, dass die Tiere viel komplexer gestrickt sind, als wir dachten und dass sie uns Menschen viel ähnlicher sind, als gedacht.

Das Schweinesteak aus der Massentierhaltung auf dem Teller erhält einfach einen ungemütlichen Beigeschmack, wenn der Essende weiß, dass Schweine äußerst intelligent sind, hochsozial und empfindsam.

Wie gesagt, meine Einstellung ist daher, mit starkem ethischen Bewusstsein einzukaufen. Allerdings respektiere ich Menschen, die sich trotzdem dazu entschließen, Fleisch aus herkömmlicher Tierhaltung zu essen. Für mich ist das wachsende Bewusstsein für die Würde der Tiere hier ein Lichtblick. Allerdings befinden wir uns, wie gesagt, mit unserer gesellschaftlichen Praxis hier erst noch in den ersten Anfängen einer praktischen Umsetzung. Aus diesem Grund werbe ich auf positive Weise, unter anderem über das Produktangebot in meinem Betrieb, für ein ethisches Bewusstsein beim Konsumverhalten.

Wir sind nämlich bereits fast am Ende einer Sackgasse angelangt, aus der wir unbedingt und sehr zügig einen Weg finden sollten.

Die Gesellschaft ist zum großen Maß von einem eiskalten Konkurrenzkampf geprägt. Einen gewissen Anteil daran hat nach meiner Einschätzung unter anderem die Industrialisierung und auch das Verständnis der Naturprozesse als „Kampf ums Dasein“, was maßgeblich durch die Darwinistische Evolutionstheorie geprägt wurde. Wissenschaftler, wie z.B. Joachim Bauer, widerlegen allerdings heute diese Interpretation biologischer Prozesse und weisen darauf hin, dass Konkurrenzkampf zwar zu den Prinzipien der Biologie gehört, Kooperation jedoch eine viel wesentlichere Rolle spielt. Es gibt außerdem auch anerkannte und vielfach angewendete ökonomische Modelle, die soziales Engagement und Miteinander als vielversprechende und zukunftsweisende Basis des Unternehmertums propagieren.

Wir brauchen Entwicklung und Veränderung und nicht zuletzt der Klimawandel hält uns vor Augen, dass große gesellschaftliche Veränderungen immer dringender notwendig werden. Wir brauchen; - sozusagen; - eine Revolution! - Bzw. revolutionäre Wandlung, die unsere Gesellschaft grundsätzlich verändert. Doch natürlich ist hier Vorsicht geboten, denn allein der Begriff "Revolution", sollte aufhorchen lassen ...

Hier passt die wesentliche Aussage der aktuellen Rede des früheren US-Präsidenten Obama, die er am 06.04.2019 in Berlin vor 300 jungen Europäern hielt: "Verändert die Welt" - Aber dabei gibt es seiner Ansicht nach nicht "die perfekte Formel", wir bekommen nie 100%, aber wir können mitnehmen, "was möglich ist" und darauf aufbauen. Die Geschichte lehrt uns aber auch nach Ansicht des ehemaligen Präsidenten, dass radikale Veränderungen keine guten Nachwirkungen zeigen.

Bezüglich Revolutionen vertrete ich daher auch eher die Einstellung, dass sanfte Revolutionen besser sind als kriegerische Umbrüche, denn diese fordern zu viele Opfer. Außerdem lässt mich meine erwähnte Einstellung zur angebrachten menschlichen Demut daran zweifeln, dass eine mehr oder weniger kleine Auswahl an Menschen die Fähigkeit besitzt, für die gesamte Gesellschaft den einen richtigen Weg zu entdecken, der einen massiv und künstlich herbeigeführten Umbruch rechtfertigt, vielleicht zur Not sogar unter dem Einsatz von revolutionärer Gewalt. Das erinnert mich eher an Prozesse in totalitären Regimen und ich bin da definitiv für stärker demokratische Lösungen.

Ich bin der Meinung, die Menschen sollten im Privaten, aber auch auf verschiedenen Ebenen des gesellschaftlichen Miteinanders lernen, Konflikte auf friedliche Weise zu lösen. In den meisten Fällen, gibt es sehr gute Wege dafür. Hier gefallen mir Konzepte, wie z.B. das „Betzavta –Konzept“ aus Israel.

Eine sanfte Revolution entspricht mehr einer natürlichen Entwicklung. Bei ihr kristallisiert sich nämlich auf breiter Ebene ein bestimmter Weg als der richtige heraus und dieser Prozess ist dann mit größerer Wahrscheinlichkeit wirklich nachhaltig. Wem das zu langsam geht, der muss wissen, dass auch sanfte Revolutionen schnell erfolgen können, wenn passende Ereignisse zusammentreffen und wenn gesellschaftliche Strömungen so stark um sich greifen, dass eine gesamtgesellschaftliche Bewusstseinsänderung möglich wird.

Wenn wir uns darauf einlassen, laufen wir vielleicht Gefahr, dass es irgendwann zu spät ist und wir plötzlich am Ende der besagten Sackgasse stehen; - Aber vielleicht auch nicht; - Wer kann sich anmaßen, das zu beurteilen? Jedenfalls ist meiner Meinung nach ein gewaltsam und künstlich herbeigeführter großer Umbruch der falsche Ausweg aus der Sackgasse und ich hoffe sehr, dass ich so etwas nicht erleben muss.

Zu den Strömungen, die ich hier günstig finde, gehört die Idee der Nachhaltigkeit und des Respektes vor unseren Mitgeschöpfen, wie sie in den politischen Zielsetzungen der Vereinten Nationen (UN) formuliert werden (was ich vom derzeitigen Stand der Umsetzung dieser Ziele durch die UN halte ist dabei ein anderes Thema), oder in Dokumenten wie dem Kanadischen Leap Manifesto (A Call for a Canada Based on Caring for the Earth and One Another).

 

Aus diesen Gründen versuche ich mit allen meinen Mitteln auf positive Weise für eine Wertschätzung der Natur und für weitere wesentliche Aspekte der Nachhaltigkeit zu werben

Dies verfolge ich aber nicht auf aggressive Weise. Ich rede meinen Mitmenschen kein schlechtes Gewissen ein, präsentiere keine Schreckensbilder von gequälten Tieren und erhebe nicht den Anspruch ein Engel zu sein im Vergleich zu vielen bösen Sündern. Auch hier wähle ich einen positiven Weg und liefere Argumente, versuche zu überzeugen und ich praktiziere Nachsicht und Toleranz. Dabei bin ich der Meinung, dass auch ich selbst meine Ideale nicht annähernd immer und absolut konsequent umsetzen kann und dass es trotzdem aber wichtig ist, diese Ideale nicht aufzugeben, sondern sie als Motivation zu nutzen, um weiterzumachen. Für mich sind diese Ideale sehr sinnstiftend.

Quellen: